Manchmal muss man für einen Traum mehrmals kämpfen, bevor er Wirklichkeit wird. Für mich war das COPERNICUS-Stipendium nicht einfach nur ein Programm oder eine Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen. Es war einer meiner größten Träume. Zweimal hatte ich mich bereits beworben, und zweimal hatte ich eine Absage bekommen. Natürlich war das nicht leicht. Trotzdem konnte ich diesen Traum nicht aufgeben. Tief in meinem Herzen wusste ich, dass ich es noch einmal versuchen musste.
Beim dritten Versuch geschah schließlich das, worauf ich so lange gehofft hatte: Ich bekam eine Zusage. Den Moment, in dem ich das ersehnte „Ja“ gelesen habe, kann ich bis heute kaum mit Worten beschreiben. Ich habe einfach geweint. Es waren Tränen der Freude, der Erleichterung und der Dankbarkeit. In diesem Moment fühlte ich, dass sich all meine Geduld, meine Hoffnung und mein Durchhaltevermögen gelohnt hatten. Mein Traum, nach Deutschland zu gehen und Teil des COPERNICUS-Programms zu werden, war endlich Wirklichkeit geworden.
Doch auch nach der Zusage verlief nicht alles problemlos. Wegen Schwierigkeiten mit meinem Visum konnte ich nicht rechtzeitig nach Deutschland reisen und musste meine Ankunft um zwanzig Tage verschieben. Diese Zeit war für mich emotional sehr schwer, weil ich Angst hatte, wichtige Momente zu verpassen und später als die anderen anzukommen.
Aber gerade in dieser schwierigen Phase habe ich gespürt, was COPERNICUS wirklich bedeutet. Das Team hat mich immer unterstützt, mir Mut gemacht und mir jede mögliche Hilfe angeboten. Obwohl ich noch gar nicht in Deutschland angekommen war, fühlte ich mich bereits als Teil der COPERNICUS-Familie. Diese Fürsorge und Herzlichkeit werde ich nie vergessen.
Am 20. Oktober kam ich schließlich mit zwei Koffern und einer ganzen Welt voller Träume in Deutschland an. Am Flughafen wartete meine Gastfamilie auf mich. Schon dieser erste Moment war für mich etwas ganz Besonderes. Sie kannten mich noch nicht, und auch ich hatte sie vorher nie persönlich gesehen. Als ich jedoch aus dem Flughafen kam, sah ich zwei Menschen, die mich mit einem so ehrlichen und warmen Lächeln anschauten. In diesem Augenblick sagte eine innere Stimme zu mir: „Bitte, lass diese Menschen meine Familie sein.“
Und tatsächlich: Mein Herz hatte sich nicht geirrt. Maria und Rainer wurden nicht nur meine Gasteltern, sondern meine echte Familie in Hamburg.
Wenn mich heute jemand fragt, was mich am meisten mit Hamburg und Deutschland verbindet und was ich am stärksten vermisse, würde ich ohne zu zögern antworten: Maria und Rainer. Sie waren für mich nicht einfach meine Gastfamilie. Sie waren mein Zuhause in einem fremden Land. Während ich diesen Bericht schreibe und an all unsere gemeinsamen Erinnerungen denke, muss ich wieder weinen, weil mir bewusst wird, wie wertvoll diese Menschen für mich geworden sind.
Maria und Rainer haben sich um mich gekümmert, als wäre ich ihre eigene Tochter. Bei ihnen habe ich mich nie fremd oder allein gefühlt. Maria war für mich nicht nur meine Gastmutter, sondern wurde mit der Zeit auch meine Vertraute. Mit ihr konnte ich über meine Gedanken, meine Sorgen und meine Freude sprechen. Von beiden habe ich unglaublich viel gelernt. Bei ihnen habe ich gesehen, wie eine glückliche Familie aussieht: mit gegenseitigem Respekt, Wärme, Verständnis und echter Liebe. Ich glaube, ich habe in meinem Leben selten so reine und herzliche Menschen kennengelernt wie sie.
Besonders gern erinnere ich mich an unsere Gespräche nach dem Essen. Diese Gespräche waren nicht nur schöne gemeinsame Momente, sondern halfen mir auch sehr dabei, meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Durch Maria und Rainer lernte ich, spontaner, natürlicher und selbstbewusster auf Deutsch zu sprechen. Einmal erzählte ich ihnen lachend, dass einer meiner ersten und vielleicht etwas kindlichen Gründe, Deutsch zu lernen, der Wunsch gewesen war, eines Tages ein Schokoladenmuseum zu besuchen. Sie lachten liebevoll darüber. Doch zu Weihnachten erfüllten sie mir genau diesen Wunsch. An diesem Tag war ich so glücklich, dass ich vor Freude geweint habe. Es war nicht nur der Besuch eines Museums, sondern das Gefühl, dass sie meine kleinen Träume ernst genommen und mit mir gemeinsam erfüllt haben.
Auch meine Familie in Usbekistan liebt Maria und Rainer sehr. Meine Mutter spricht immer mit großer Dankbarkeit über sie und wünscht ihnen Gesundheit und Glück. Immer wenn wir zu Hause am Tisch sitzen und über meine Zeit in Deutschland sprechen, erinnern wir uns voller Wärme an sie. Könnte ich die Zeit zurückdrehen oder noch einmal die Möglichkeit bekommen, an diesem Programm teilzunehmen, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden, ein Teil ihrer Familie zu sein. Eigentlich könnte ich über Maria und Rainer noch unendlich viel schreiben. Aber dann müsste aus diesem Bericht wahrscheinlich ein ganzes Buch werden.
COPERNICUS war für mich jedoch nicht nur die Tür zu meinem Traum, sondern schenkte mir auch wunderbare Freundschaften. Mit den beiden anderen Stipendiatinnen wurden wir in kurzer Zeit sehr enge Freundinnen. Wir waren nicht nur Teilnehmerinnen desselben Programms, sondern wurden zu Menschen, die miteinander lachen, reisen, träumen und auch ihre Sorgen teilen konnten. Gemeinsam erlebten wir viele wunderschöne Momente und unternahmen unvergessliche Reisen.
Eine der emotionalsten Reisen war für uns Paris. Diese Stadt zu besuchen, war einer unserer größten Träume. Ich werde nie den Moment vergessen, als wir zum ersten Mal den Eiffelturm sahen. Unsere Freude war so groß, dass es sich anfühlte, als gäbe es in diesem Moment niemanden außer uns. Sogar in der Metro waren wir so voller Emotionen, dass wir alles um uns herum vergaßen. Es war ein Gefühl von Freiheit, Glück und Dankbarkeit. Genau so waren viele unserer Reisen: nicht nur Besuche neuer Orte, sondern Erinnerungen, die für immer in unseren Herzen bleiben werden.
Ein weiteres wichtiges Kapitel meiner Geschichte war die Universität Hamburg. Meinen ersten Tag dort werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Alles war neu: die Umgebung, die Menschen, das akademische System und die Sprache. An diesem Tag hatte ich das Gefühl, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet. Ich verstand vieles nicht und fühlte mich überfordert.
Als ich nach Hause kam, weinte ich. Ich erzählte Maria und Rainer davon, und sie trösteten mich. Sie sagten, dass der Anfang für jeden schwer sei und dass mit der Zeit alles besser werden würde. Sie hatten recht.
Mit jedem Tag gewöhnte ich mich mehr an das Studium. Die Dozentinnen und Dozenten waren sehr freundlich, professionell und engagiert. Sie unterstützten die Studierenden und sorgten dafür, dass man sich ernst genommen und motiviert fühlte. An der Universität lernte ich nicht nur fachlich viel, sondern entwickelte mich auch persönlich weiter. Ich wurde selbstständiger, mutiger und offener. Außerdem fand ich dort Freundinnen, unter anderem Karina, mit der ich bis heute Kontakt habe.
Das zeigt mir, dass manche Begegnungen nicht einfach mit dem Ende eines Semesters verschwinden, sondern Teil des eigenen Lebens bleiben.
Besonders wichtig und wertvoll war für mich auch mein Praktikum im Sprachzentrum Berliner Hamburg. Ich kann ehrlich sagen, dass mir meine Arbeit dort außerordentlich gut gefallen hat. Sollte ich eines Tages wieder nach Deutschland zurückkehren, würde ich sehr gern dort weiterarbeiten. In diesem Sprachzentrum hatte jeder Mitarbeitende seinen eigenen Platz und wurde als Persönlichkeit geschätzt. Meine Kolleginnen und Kollegen waren für mich nicht einfach nur Arbeitskollegen. Auch sie wurden zu einer kleinen Familie für mich.
Eine ganz besondere Rolle spielte dabei unsere Direktorin, Gulshat Schwarz. Sie sagte mir immer: „Egal, welches Problem du hast, ich bin an deiner Seite und bereit, dir zu helfen.“ Mit der Zeit wurde sie für mich wie eine Tante. Vielleicht verband uns auch besonders stark, dass wir aus derselben Heimat kamen und unsere Herzen deshalb auf eine besondere Weise miteinander verbunden waren. Ich habe jeden einzelnen Menschen an meinem Praktikumsplatz sehr lieb gewonnen.
An meinen letzten Arbeitstag erinnere ich mich mit vielen Emotionen. Der Abschied fiel mir unglaublich schwer. Als ich den Brief las, den meine Kolleginnen und Kollegen für mich geschrieben hatten, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Diesen Brief bewahre ich bis heute sorgfältig auf, weil er für mich ein Zeichen dafür ist, dass ich dort nicht nur gearbeitet habe, sondern wirklich angenommen und geschätzt wurde.
Während meines Praktikums konnte ich meine beruflichen Fähigkeiten verbessern und meinen beruflichen Zielen einen großen Schritt näherkommen.
Besonders glücklich machte mich, dass meine Meinung trotz meines jungen Alters gehört und respektiert wurde. Obwohl ich nur für eine begrenzte Zeit dort gearbeitet hatte, nahmen sie mich wie ein Mitglied ihrer Familie auf. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig ein wertschätzendes Arbeitsumfeld ist und wie sehr Menschen wachsen können, wenn man ihnen Vertrauen schenkt.
Mein Aufenthalt in Deutschland im Rahmen des COPERNICUS-Stipendiums war für mich nicht einfach nur eine Zeit im Ausland. Es war eine Reise zu mir selbst. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben, auch wenn man zweimal scheitert.
Ich habe erfahren, dass Träume manchmal später wahr werden, dafür aber noch schöner, als man es sich vorgestellt hat. Ich habe in Hamburg nicht nur studiert und gearbeitet, sondern eine zweite Familie gefunden, echte Freundschaften geschlossen, neue Orte entdeckt und Erinnerungen gesammelt, die mich mein ganzes Leben begleiten werden.
Vor allem habe ich in dieser Zeit etwas sehr Wichtiges verstanden: Wahre Herzlichkeit kennt keine Religion, keine Nationalität und keine Kulturgrenzen. Menschen müssen nicht dieselbe Sprache sprechen, aus demselben Land kommen oder dieselben Traditionen haben, um einander von Herzen lieben und füreinander da sein zu können. Maria und Rainer, meine Freundinnen, meine Kolleginnen und Kollegen sowie all die wunderbaren Menschen, die ich durch COPERNICUS kennenlernen durfte, haben mir genau das gezeigt.
Ich habe verstanden, dass Liebe, Fürsorge und Menschlichkeit die wertvollsten Geschenke der Welt sind. Sie schenken einem Menschen ein Glück, das selbst Millionen oder Milliarden Euro niemals kaufen könnten. Denn das schönste Gefühl im Leben ist nicht, viel zu besitzen, sondern Menschen zu finden, bei denen man sich geliebt, verstanden und zu Hause fühlt.
Ich möchte allen jungen Menschen von Herzen empfehlen, die Möglichkeiten von COPERNICUS zu nutzen und den Mut zu haben, sich zu bewerben. Eine Absage bedeutet nicht, dass ein Traum vorbei ist. Manchmal bedeutet sie nur, dass man noch einmal stärker zurückkommen muss. Ich selbst bin der beste Beweis dafür: Zweimal habe ich eine Absage bekommen, doch beim dritten Mal öffnete sich für mich eine Tür, hinter der nicht nur Deutschland, sondern auch Liebe, Familie, Freundschaft und persönliches Wachstum auf mich warteten.
COPERNICUS hat mir nicht nur den Weg nach Deutschland geöffnet. Es hat mir Menschen geschenkt, die für immer einen Platz in meinem Herzen haben werden. Hamburg werde ich immer vermissen, aber in meinem Herzen werde ich niemals wirklich von dort weggehen. Denn ein Teil von mir ist für immer bei Maria und Rainer, bei meinen Freundinnen, an der Universität Hamburg und bei meiner Praktikumsfamilie geblieben.
Manche Reisen enden mit einem Rückflugticket. Meine Reise mit COPERNICUS jedoch endete nicht am Flughafen – sie lebt in mir weiter, in meiner Dankbarkeit, in meinen Erinnerungen und in der Liebe zu den Menschen, die aus einem fremden Land mein zweites Zuhause gemacht haben.